Copyright Reform for Education Icon

Urheberrechtsreform für die Bildung

Das Eintreten für Urheberrechtsreformen und für Open Education sind zwei Seiten derselben Medaille#CPT10

Warum ist das wichtig?

Starke Ausnahmeregelungen im Urheberrecht (juristisch gesprochen: „Schranken des Urheberrechts“) sind ebenso wichtig wie die offene Lizenzierung von Ressourcen. Beide bilden sich gegenseitig ergänzende Mittel zur Gewährleistung von Freiheiten für die Bildung. Während die Verfügbarkeit von offen lizenzierten Bildungsressourcen weiter zunimmt, bleiben viele verschiedene Kultur- und Informationsressourcen, die für die Bildung wichtig sind, durch restriktive urheberrechtliche Regelungen verschlossen. Grenzen und Ausnahmen des Urheberrechts können dafür sorgen, dass Lehrende und Lernende die notwendigen Freiheiten erhalten, diese Ressourcen zu Bildungszwecken zu nutzen, ohne um Erlaubnis fragen zu müssen. Urheberrechtsreformen, die weltweit auf der Agenda stehen, können diese Ausnahmen verstärken – oder der Bildung schaden, indem sie sie schwächen.

Die Open-Education-Community muss sich um ein bildungsfreundliches Urheberrecht kümmern, das die Rechte für Lehren und Lernen schützt und erweitert. Offene Lizenzierung und Urheberrechtsreform ergänzen sich gegenseitig. Die Zunahme von offen lizenzierten Ressourcen zeigt den Bedarf nach Freiheit, Offenheit und Zusammenarbeit bei allen Arten von Bildungsmaterialien. Die Arbeit an bildungsfreundlichen Veränderungen des Urheberrechts hilft dabei, einen universellen Zugang zu Bildung zu ermöglichen.

Worin besteht die Gelegenheit?

Wir müssen die Bewegung für Open Education mobilisieren, ihre Stärke und globale Reichweite nutzen, um Urheberrechtsreformen zu unterstützen, die den Akteuren im Bereich Bildung dienen.

Auf der ganzen Welt öffnen sich alle paar Jahre Gelegenheitsfenster für Veränderungen, wie das Urheberrecht die Nutzung von Inhalten regelt. Wir sollten diese Gelegenheiten nutzen, um Grenzen und Ausnahmen für Bildung im Urheberrecht zu erweitern. Auf der globalen Ebene zielen die Bemühungen unserer Interessenvertretung im Forum der Weltorganisation für geistiges Eigentum (World Intellectual Property Organisation WIPO) darauf ab, in den kommenden Jahren eine standardisierte Urheberrechtsausnahme für Bildung einzuführen. Überall auf der Welt finden Urheberrechtsdebatten auf nationaler Ebene statt, darunter in Argentinien, Australien, Kanada, Südafrika und der Europäischen Union. Die Ergebnisse dieser Überarbeitungen könnten erhebliche Auswirkungen auf das Lehren und Lernen haben.

Es ist außerdem von entscheidender Bedeutung, dass wir uns – sowohl als Bewegung für Open Education im Besonderen als auch im Bildungsbereich im Allgemeinen – gegen Gesetzgebungsvorschläge zur Wehr setzen, die Ausnahmen vom Urheberrecht für den Bildungsbereich beseitigen oder einschränken. Zum Beispiel würde ein Vorschlag in Europa von 2017 die bestehenden Ausnahmen für den Bildungsbereich so ändern, dass Schulen und Lehrende verpflichtet wären, bei kommerziellen Anbietern Lizenzen für alle pädagogischen Verwendungen von geschützten Inhalten zu erwerben, ganz egal, wie gering diese Nutzung ist. Das würde Lehrende in Europa im Vergleich zu anderen Regionen in eine stark benachteiligte Position bringen.

In jedem Land müssen wir uns für starke und flexible Ausnahmeregelungen einsetzen, die den Bedürfnissen moderner Bildung gerecht werden.

Wie kann man sich beteiligen?
  • Werden Sie Teil eines Netzwerks von Aktivist*innen für Urheberrechtsreformen in der Bildung, betrieben von Communia, der Interessensvertretung für digitale Gemeingüter (Public Domain). Communia arbeitet derzeit schwerpunktmäßig in Europa, baut aber weltweit Verbindungen auf.
  • Wenden Sie sich an Electronic Information for Libraries (EIFL) und treten Sie einer Gruppe von Organisationen und Aktivist*innen bei, die sich bei der WIPO für eine globale Ausnahmeregelung für Bildung einsetzen.
  • Finden Sie heraus, ob in Ihrer Region ein Urheberrechtsreformprozess im Gange ist und beteiligen Sie sich. Ein Ausgangspunkt ist die Global Copyright Reform Platform von Creative Commons.
  • Definieren Sie eine Position zur Urheberrechtsreform für Ihre Organisation, Institution, Vereinigung oder Ihr Netzwerk. Beziehen Sie die Problematik von Urheberrechtsreformen mit ein, wenn Sie für OER sensibilisieren.