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Über das Schul- und Lehrbuch hinaus

Die offenen Lernmaterialien der Zukunft bauen.#CPT10

Warum ist das wichtig?

Der Gedanke, über das Lehr- und Schulbuch hinauszugehen, stand von Anfang an im Zentrum der Open-Education-Bewegung. Die Erfahrungen des letzten Jahrzehnts haben jedoch einige OER-Anstrengungen in die entgegengesetzte Richtung geführt. In bestimmten Kontexten hat es sich als höchst erfolgreiche Strategie für die Etablierung von OER erwiesen, für offene Schul- und Lehrbücher zu werben, die so aussehen, sich so anfühlen und so funktionieren wie traditionelle Bücher. Solche Anstrengungen haben für wesentliche Fortschritte gesorgt, wenn es um die breitere Nutzung und Etablierung von OER geht. Die Open-Education-Bewegung sollte sich jedoch bewusst sein, dass die Strategie, OER mit Schul- und Lehrbüchern gleichzusetzen, die Fantasie von Lehrenden und Lernenden einschränkt, wie moderne, technisch verbesserte, offene Lernmaterialien aussehen können.

Worin besteht die Gelegenheit?

Uns bietet sich die Gelegenheit, neue Vorstellungen davon zu entwickeln, wie eine ganze Reihe von Medien und interaktiven Technologien das Lernen beleben und verbessern können – über die statischen Texte und Bilder hinaus, die wir typischerweise mit Büchern verbinden. Über das Schul- und Lehrbuch hinaus zu gehen – das zielt auf ein neues Verständnis von Lernmaterialien, zusammengesetzt aus dem Besten von frei und offen lizenzierten Texten, Bildern, Multimedia und interaktiven Elementen, über die Übungen mit sofortigem Feedback möglich werden. Es bedeutet auch, über Materialien als Informationsvehikel hinaus zu denken, in Richtung eines pädagogischen Instrumentariums, das eine neue Didaktik fördert, in der Lernende als Akteure beteiligt sind.

Die Ablösung der Lehr- und Schulbücher wird sich an unterschiedlichen Orten mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten vollziehen – und in einigen Kontexten ist sie bereits in vollem Gange. Zum Beispiel gestalten Lehrkräfte in Teilen Europas bereits Unterricht, indem Schulbücher als Ergänzung zu umfassenden multimedialen Ressourcen gesehen werden und nicht umgekehrt. Andererseits kann ein in sich geschlossenes Lehrbuch auf Papier unter bestimmten Umständen die nützlichste Materialform bleiben, wenn beispielsweise wenig Zugang zu digitalen Technologien vorhanden ist. Eine Stärke von OER besteht genau darin, dass OER auf all dieser Arten verwendet werden kann.

Angesichts der Entwicklung der Open-Education-Bewegung über den Einsatz von Lehr- und Schulbüchern hinaus, ist es wichtig, dass wir zu jedem Zeitpunkt gemeinsam kommunizieren, wie die vollständige Vision von Open Education aussehen kann.

Wie kann man sich beteiligen?
  • Entwickeln Sie multimediale oder interaktive Lernmaterialien und veröffentlichen Sie diese unter offenen Lizenzen. Überlegen Sie sich, wie Sie Dritten die Integration in größere Sammlungen erleichtern können.
  • Sprechen Sie mit Lehrenden, Lernenden und anderen über multimediale und interaktive Lernmaterialien. Helfen Sie ihnen zu verstehen, dass es sich dabei um den Kern von Lernmaterialien handeln kann, nicht bloß um zusätzliche Ergänzungen.
  • Erweitern Sie den Sprachgebrauch über „Lehrbücher“ und „Schulbücher“ hinaus und verwenden Sie stattdessen Begriffe wie „Lehr-Lern-Materialien“ oder „Bildungsressourcen“. Prüfen Sie, wie Sie solche Änderungen in den Policies und Praktiken Ihrer Institution abbilden können, um den Weg für die Etablierung von OER zu ebnen.
  • Heben Sie Praxisfälle hervor, in denen über das Lehrbuch hinaus gegangen wird und Lehrende multimediale Lernmaterialien gezielt für den Erfolg der Lernenden einsetzen. Die OER World Map ist dafür ein guter Ausgangspunkt.